Energieberatung
7.10.2023
Bauwerkstatt Redaktion

Innendämmung vs. Außendämmung: Vor- und Nachteile im Vergleich

Nachteile der Innendämmung, Taupunktproblem, Holzfaserplatten-Risiken und Altbau-Besonderheiten: Vollständiger Vergleich beider Dämmmethoden mit Tabelle und FAQ.
Innendämmung vs. Außendämmung: Vor- und Nachteile im Vergleich

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Außendämmung ist bauphysikalisch sicherer und vermeidet Wärmebrücken
  • Innendämmung eignet sich für denkmalgeschützte Fassaden und Eigentumswohnungen
  • Außendämmung spart 15-20% mehr Energie als vergleichbare Innendämmung
  • Bei Innendämmung ist die Feuchteberechnung nach DIN 4108 entscheidend
  • Im Altbau ist Innendämmung oft die einzig mögliche Alternative zur Außendämmung
  • Innen- und Außendämmung lassen sich in Sonderfällen kombinieren

Vergleich von Innendämmung und Außendämmung im Querschnitt

Die Entscheidung: Innen oder außen dämmen?

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein zentraler Baustein zur Erreichung der Klimaschutzziele und zur Reduzierung der Heizkosten. Eine der wichtigsten Entscheidungen dabei ist die Wahl zwischen Innen- und Außendämmung.

Beide Varianten haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die je nach Gebäudetyp, baulichen Gegebenheiten und individuellen Anforderungen unterschiedlich zu bewerten sind. Besonders im Altbau stellt sich die Frage "innen oder außen dämmen?" oft als komplexe Abwägung dar. Dieser Artikel hilft Ihnen, die für Ihr Projekt optimale Lösung zu finden.

Außendämmung: Der Standardfall

Die Außendämmung, meist in Form eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) oder einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF), ist die häufigste und bauphysikalisch sicherste Methode zur nachträglichen Wärmedämmung.

Funktionsweise

Bei der Außendämmung wird das gesamte Gebäude mit einer Dämmschicht umhüllt. Das Mauerwerk befindet sich dadurch auf der warmen Seite der Dämmung, was bauphysikalische Vorteile bietet.

"Die Außendämmung ist aus bauphysikalischer Sicht fast immer die bessere Lösung. Sie umschließt das Gebäude wie ein Schutzmantel und hält die Wärme im Haus." – Fraunhofer Institut für Bauphysik

Vorteile der Außendämmung

Eine Außendämmung erreicht in der Regel einen 15–20 % höheren Energieeinspareffekt als eine gleichwertige Innendämmung. Die durchgehende Dämmschicht vermeidet Wärmebrücken an Geschossdecken und Innenwänden effektiv, während gleichzeitig die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen und Temperaturschwankungen geschützt wird. Durch die Taupunktverschiebung nach außen findet Kondensation in der Dämmung oder außerhalb statt, nicht im Mauerwerk. Zudem bleibt die Speichermasse des Mauerwerks im beheizten Bereich und trägt zur Temperaturstabilität bei. Die Wohnfläche bleibt vollständig erhalten. Hinzu kommt die Möglichkeit der gleichzeitigen Fassadenerneuerung, die optische Aufwertung und energetische Sanierung in einem Schritt vereint.

Nachteile der Außendämmung

Die höheren Kosten durch Gerüst, umfangreichere Arbeiten und größere Flächen führen zu deutlich höheren Investitionskosten. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes wird verändert, was bei historischen oder architektonisch wertvollen Fassaden problematisch sein kann. Eine Baugenehmigung oder Bauanzeige ist erforderlich, wobei Abstandsflächen zu beachten sind. Die witterungsabhängige Ausführung schränkt die Arbeiten auf geeignete Wetterbedingungen ein. Zudem müssen Fensterleibungen, Dachüberstand und Sockel angepasst werden.

Typische Dämmstoffe für die Außendämmung

DämmstoffWärmeleitfähigkeit (W/mK)VorteileNachteile
EPS (Styropor)0,032–0,040Günstig, leicht, einfache VerarbeitungBrandschutzanforderungen, nicht diffusionsoffen
Mineralwolle0,035–0,045Nicht brennbar, schalldämmend, diffusionsoffenHöherer Preis, saugende Eigenschaften
Holzfaser0,040–0,055Ökologisch, diffusionsoffen, guter sommerlicher WärmeschutzHöherer Preis, dickere Aufbauten nötig
PUR/PIR0,023–0,028Sehr gute Dämmwerte, geringe AufbauhöheTeuer, nicht diffusionsoffen

Innendämmung: Die Alternative für Spezialfälle

Die Innendämmung ist technisch anspruchsvoller, bietet aber Lösungen für Fälle, in denen eine Außendämmung nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Beide Varianten werden durch die BEG-Förderung bezuschusst.

Funktionsweise

Bei der Innendämmung werden die Dämmplatten auf der Innenseite der Außenwände angebracht. Dies führt zu einer Verschiebung des Taupunkts in Richtung Mauerwerk, was besondere bauphysikalische Maßnahmen erfordert.

Vorteile der Innendämmung

Die Innendämmung ermöglicht den vollständigen Erhalt der Fassadenoptik, was sie ideal für denkmalgeschützte Gebäude oder architektonisch wertvolle Fassaden macht. Eine unabhängige Sanierung einzelner Räume ist möglich, ohne Abstimmung mit anderen Eigentümern – besonders vorteilhaft in Mehrfamilienhäusern. Räume heizen schneller auf, da die Wände nicht mehr miterwärmt werden müssen. Die Ausführung ist zu jeder Jahreszeit möglich. In der Regel ist keine baurechtliche Genehmigung erforderlich. Zudem sind die Kosten oft günstiger in der Ausführung, da kein Gerüst benötigt wird.

Nachteile der Innendämmung – worüber kaum jemand spricht

Die Nachteile der Innendämmung werden bei der Planung häufig unterschätzt. Eine transparente Abwägung ist wichtig, um spätere Bauschäden und Enttäuschungen zu vermeiden.

Feuchte und Taupunktproblem – das größte Risiko

Das gravierendste Problem der Innendämmung ist die veränderte Taupunktlage. Bei einer ungedämmten Außenwand liegt der Taupunkt irgendwo im Mauerwerk, und das Kondensatwasser kann nach außen hin abtrocknen. Sobald eine Innendämmschicht aufgebracht wird, verschiebt sich der Taupunkt weiter nach innen – im ungünstigsten Fall direkt an die Grenzfläche zwischen Mauerwerk und Dämmung.

Sammelt sich dort dauerhaft Kondensat, sind Folgeschäden vorprogrammiert:

  • Schimmelbildung an der kältesten Stelle hinter der Dämmplatte
  • Frostschäden am Mauerwerk durch gefrierendes Kondenswasser
  • Putzmörtelablösungen und aufgeweichtes Mauerwerk
  • Verrottung von Holzelementen (Balkenköpfe, Fensterstürze) bei durchfeuchtetem Mauerwerk

Das Fraunhofer Institut für Bauphysik betont in seinem Leitfaden Innendämmung (2022): Eine feuchtetechnische Berechnung nach DIN 4108 oder mithilfe dynamischer Simulationsverfahren (z. B. WUFI) ist bei jeder Innendämmung zwingend erforderlich – nicht optional.

Wärmebrücken lassen sich nicht vollständig beseitigen

Anders als bei der Außendämmung entstehen bei der Innendämmung zwangsläufig geometrische Wärmebrücken: An den Anschlüssen von Innenwänden, Geschossdecken und Fensterstürzen reicht die Kälte weiterhin bis ins Rauminnere. Diese Stellen bleiben kälter als die gedämmte Wandfläche und sind damit bevorzugte Kondensationspunkte. In der Praxis bedeutet das: Ohne sorgfältige Detailplanung und Anschlussausführung kann Schimmel genau an diesen Punkten entstehen – selbst wenn die Fläche dazwischen tadellos gedämmt ist.

Wohnflächenverlust

Je nach Dämmstärke kostet die Innendämmung pro Außenwand zwischen 3 und 12 cm Raumtiefe. Bei einem typischen Wohnzimmer mit vier Außenwänden können das schnell 0,5–1,5 m² verlorene Wohnfläche sein – ein Faktor, der bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung oft vergessen wird.

Geringere Energieeinsparung

Die Innendämmung ist um rund 15–20 % weniger effizient als eine vergleichbare Außendämmung. Der Grund: Die Speichermasse des Mauerwerks liegt außerhalb der thermischen Hülle und kann die gespeicherte Wärme nicht an den Innenraum abgeben. Das macht sich besonders in der Übergangszeit und im Winter bemerkbar.

Einschränkungen durch Installationen

Steckdosen, Schalter, Heizkörpernischen und Fensterbänke müssen versetzt oder neu eingepasst werden. Bei Elektroinstallationen bedeutet das Stemm- und Verputzarbeiten, die den Kostenvorteil gegenüber der Außendämmung erheblich schmälern können.

Typische Dämmstoffe für die Innendämmung und deren spezifische Nachteile

DämmstoffWärmeleitfähigkeit (W/mK)VorteileNachteile
Calciumsilikat0,060–0,070Kapillaraktiv, feuchteregulierend, schimmelhemmendSchlechteste Dämmwerte, sehr teuer, schwer
Holzfaserplatten0,040–0,055Ökologisch, diffusionsoffen, guter SchallschutzDampfbremse notwendig, dickere Aufbauten, Schimmelrisiko bei Nässe
Mineraldämmplatten mit Lehm/Kalk0,042–0,055Diffusionsoffen, feuchteregulierend, ökologischDickere Aufbauten, spezielle Verarbeitung, Fachkenntnis nötig
Vakuumdämmplatten (VIP)0,007–0,008Extrem dünne Aufbauten bei sehr guter DämmleistungSehr teuer, keine Anpassung vor Ort möglich, empfindlich
EPS / XPS0,030–0,038Günstig, gute DämmwerteDiffusionsdicht – erhöhtes Tauwasserrisiko, Dampfbremse zwingend

Holzfaserplatten: Nachteile im Detail

Holzfaserplatten gelten als ökologische und diffusionsoffene Alternative für die Innendämmung. Dennoch haben sie spezifische Schwachstellen, die häufig unterschätzt werden:

  • Feuchteempfindlichkeit: Holzfaser nimmt bei anhaltender Durchfeuchtung Wasser auf und verliert dauerhaft an Dämmwirkung. Quellungsprozesse können die Plattenstruktur langfristig schädigen.
  • Dampfbremse erforderlich: Trotz des diffusionsoffenen Charakters ist bei den meisten Einbausituationen im Bestand eine raumseitige Dampfbremse oder Dampfsperre notwendig, um Tauwasserbildung an der Wandgrenzfläche zu verhindern. Ohne diese Maßnahme sind Schimmelprobleme wahrscheinlich.
  • Höhere Aufbaudicke: Um den gleichen U-Wert wie EPS oder Vakuumdämmplatten zu erreichen, benötigen Holzfaserplatten erheblich mehr Dicke, was den Raumverlust vergrößert.
  • Preis: Im Vergleich zu konventionellen Dämmstoffen sind Holzfaserplatten teurer, was den Kostenvorteil der Innendämmung gegenüber der Außendämmung weiter reduziert.

Vor- und Nachteile im direkten Vergleich

KriteriumAußendämmungInnendämmung
EnergieeinsparungSehr hoch (max. Potenzial)Mittel (ca. 15–20 % weniger als außen)
FeuchterisikoGering (Taupunkt außen)Hoch (Taupunkt im/an Mauerwerk)
WärmebrückenWeitgehend vermeidbarStrukturell bedingt, kaum vermeidbar
FassadenoptikVerändertUnverändert
WohnflächenverlustKein Verlust3–12 cm pro Außenwand
Denkmalschutz / BebauungsplanOft eingeschränkt/nicht genehmigbarMeist problemlos
Eigentumswohnung (ohne WEG-Beschluss)Nicht möglichMöglich (nur eigene Wand)
Kosten gesamtHöher (Gerüst, größere Fläche)Geringer (kein Gerüst)
GenehmigungspflichtJa (Bauanzeige bis Baugenehmigung)In der Regel nein
AusführungssaisonFrühjahr bis HerbstGanzjährig
Speichermasse im WohnbereichJa (Pufferwirkung)Nein
PlanungsaufwandModeratHoch (Feuchteberechnung, Detaillösungen)
Förderfähigkeit (BEG)JaJa

Altbau dämmen: innen oder außen – was ist sinnvoller?

Im Altbau stellt sich die Frage nach der Dämmmethode besonders dringlich. Gebäude vor 1978 (vor der ersten Wärmeschutzverordnung) sind in der Regel ungedämmt und verlieren über die Außenwände erheblich Energie. Gleichzeitig unterliegen viele Altbauten Einschränkungen, die die Außendämmung erschweren oder verbieten.

Wann ist Außenwände von innen dämmen im Altbau sinnvoll?

Das Dämmen von Außenwänden von innen ist im Altbau unter folgenden Bedingungen sinnvoll oder sogar die einzig mögliche Option:

  • Denkmalschutz oder Ensembleschutz: Historische Fassaden aus Sandstein, Klinker oder Sichtfachwerk dürfen nicht verändert werden. Innendämmung ist hier oft die einzige legale Alternative.
  • Grenzständige Bebauung: Liegt das Haus an der Grundstücksgrenze, fehlt der Platz für eine außenliegende Dämmung.
  • Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus: Für die Außendämmung wäre ein Beschluss der gesamten Eigentümergemeinschaft notwendig. Innendämmung kann der einzelne Eigentümer in seiner Wohnung eigenständig umsetzen.
  • Nur einzelne Räume sanieren: Wer z. B. nur das Schlafzimmer oder das Büro thermisch verbessern möchte, kann selektiv von innen dämmen.
  • Begrenztes Budget: Ohne Gerüstkosten ist die Innendämmung im Einzelraum deutlich günstiger.

Besonderheiten beim Altbau von innen dämmen

Altbauten haben gegenüber Neubauten eigene Herausforderungen bei der Innendämmung:

Altes Mauerwerk und Salzbelastung: Historisches Mauerwerk, insbesondere aus Backstein oder Naturstein, enthält oft Salze aus Jahrzehnten der Bautätigkeit. Diese hygroskopischen Salze ziehen Feuchtigkeit an – eine Innendämmung kann dazu führen, dass die Salzfeuchte nicht mehr nach außen austrocknen kann und sich hinter der Dämmung staut. Eine Voruntersuchung durch einen Sachverständigen ist vor jeder Innendämmung im Altbau empfehlenswert.

Holzbalkendecken: In vielen Altbauten lagern die Deckenbalken in den Außenwänden. Wird eine Innendämmung aufgebracht, kühlen die Balkenköpfe ab und können unter bestimmten Bedingungen anfangen zu faulen. Dieses Risiko muss bei der Planung berücksichtigt und durch entsprechende Detaillösungen (z. B. kapillaraktive Systeme oder Belüftungsschlitze) minimiert werden.

Fehlende Luftdichtheitsschicht: Altbauten sind selten luftdicht. Unkontrollierte Luftströmungen hinter der Innendämmung können Feuchtigkeit einschleppen und den Taupunktbereich dauerhaft befeuchten. Eine sorgfältige Abdichtung der Anschlüsse ist unabdingbar.

Empfehlungen für kapillaraktive Systeme im Altbau: Calciumsilikatplatten oder mineralische Innendämmsysteme mit kapillaraktiven Eigenschaften sind für den Altbau oft besser geeignet als organische Dämmstoffe wie EPS oder Holzfaser. Sie können kurzzeitig anfallende Feuchte aufnehmen und bei Trockenperioden wieder abgeben, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen.

Innen- und Außendämmung kombinieren: Wann macht das Sinn?

Eine Kombination aus Innen- und Außendämmung ist bauphysikalisch möglich und in bestimmten Sonderfällen sogar sinnvoll – aber nicht die Standardlösung.

Szenarien, in denen eine Kombination sinnvoll sein kann

Teilweise denkmalgeschützte Fassade: Wenn der straßenseitige Teil der Fassade erhalten bleiben muss, der rückseitige oder seitliche Teil aber frei gedämmt werden kann, lässt sich eine Kombination umsetzen: Außendämmung an der freien Fassade, Innendämmung an der geschützten Seite.

Sehr hohe Energiestandards (z. B. KfW 40 / EH 40): Wenn der angestrebte U-Wert der Außenwand mit einer Dämmlage allein nicht erreichbar ist (etwa weil der Platz außen begrenzt ist), kann eine ergänzende Innendämmung die Gesamtdämmstärke erhöhen.

Thermische Entkopplung einzelner Bereiche: In Gebäuden mit gemischter Nutzung (z. B. unbeheizter Keller, beheiztes Erdgeschoss) kann es sinnvoll sein, bestimmte Wandbereiche von innen zusätzlich zu dämmen.

Wichtige Hinweise zur Kombination

  • Bauphysikalische Planung ist unerlässlich: Bei der Kombination beider Methoden verschieben sich die Taupunkte und Feuchteflüsse komplex. Ohne eine detaillierte Simulation (z. B. WUFI) ist das Risiko von Feuchteschäden hoch.
  • Reihenfolge der Maßnahmen: In der Regel sollte die Außendämmung zuerst ausgeführt werden, da sie das Mauerwerk schützt und trockener hält. Die Innendämmung wird dann als Ergänzung angebracht.
  • Förderfähigkeit prüfen: Die BEG-Förderung bezieht sich auf den erreichten U-Wert der Gesamtkonstruktion. Beide Maßnahmen zusammen können eine höhere Förderkategorie erreichen – sprechen Sie Ihren Energieberater darauf an.

Die Kombination ist kein "das Beste aus beiden Welten", sondern eine Speziallösung mit erhöhten Planungsanforderungen. Für die meisten Eigentümer empfiehlt sich zuerst zu prüfen, ob eine vollständige Außendämmung möglich ist – und nur wenn das nicht geht, auf Innendämmung oder die Kombination auszuweichen.

Besondere Anforderungen an die Innendämmung

Bei der Innendämmung ist eine sorgfältige Planung und Ausführung besonders wichtig, um Bauschäden zu vermeiden.

Feuchtetechnische Berechnung

Eine feuchtetechnische Berechnung nach dem Glaser-Verfahren (DIN 4108-3) oder mittels dynamischer Simulationsverfahren (WUFI, DELPHIN) ist unverzichtbar, um das Risiko von Tauwasserbildung zu bewerten. Das Glaser-Verfahren liefert eine konservative Einschätzung, dynamische Verfahren berücksichtigen auch kapillare Feuchtetransporte und jahreszeitliche Schwankungen.

Dampfbremse vs. kapillaraktive Systeme

Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze:

  • Dampfbremsende Systeme: Verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit in die Konstruktion durch eine raumseitige Dampfbremse (sd-Wert ≥ 2 m). Bedingung: Die Dampfbremse muss luftdicht angeschlossen sein – jede Fehlstelle ist eine potenzielle Schimmelquelle.
  • Kapillaraktive Systeme: Erlauben kontrollierte Feuchtigkeitswanderung und sorgen für schnelle Rücktrocknung (z. B. Calciumsilikat, mineralische Systeme). Gut geeignet für Altbauten mit historischem Mauerwerk.

Wärmebrückendetails

An kritischen Punkten wie Fensterlaibungen, Geschossdecken und Innenwandanschlüssen müssen Detaillösungen zur Minimierung von Wärmebrücken entwickelt werden. Ohne diese Detailarbeit nützt die Flächendämmung wenig – die Wärmeverluste konzentrieren sich auf die Wärmebrücken.

Entscheidungshilfe: Wann ist welche Lösung sinnvoll?

Außendämmung ist besonders geeignet, wenn:

Eine Außendämmung bietet sich vor allem an, wenn die Fassade ohnehin sanierungsbedürftig ist. Sie ist die erste Wahl bei maximaler Energieeinsparung, wenn kein Denkmalschutz besteht. Besonders wirtschaftlich ist sie, wenn ein Gerüst ohnehin gestellt werden muss, etwa für Dacharbeiten. Optimal ist sie, wenn das Gebäude als Ganzes saniert wird und alle Maßnahmen koordiniert werden können.

Innendämmung ist besonders geeignet, wenn:

Die Innendämmung ist die bevorzugte Lösung, wenn die Fassade erhaltenswert oder denkmalgeschützt ist. Sie eignet sich ideal für Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern ohne Eigentümermehrheit für Außenmaßnahmen. Zudem ist sie sinnvoll, wenn die Gebäudeabstände eine Außendämmung nicht zulassen oder nur einzelne Räume gedämmt werden sollen.

Fazit: Die richtige Wahl treffen

Die Entscheidung zwischen Innen- und Außendämmung sollte stets individuell und unter Berücksichtigung aller baulichen, gestalterischen und wirtschaftlichen Faktoren getroffen werden.

In den meisten Fällen ist die Außendämmung die technisch überlegene und langfristig wirtschaftlichere Lösung. Die Innendämmung bietet jedoch eine wertvolle Alternative für spezielle Anforderungen – vorausgesetzt, die Feuchteproblematik wird von Anfang an professionell geplant. Die Nachteile der Innendämmung, insbesondere das Taupunktproblem und die strukturellen Wärmebrücken, lassen sich durch sorgfältige Planung beherrschen, aber nicht vollständig eliminieren.

Unabhängig von der gewählten Methode ist eine fachkundige Planung und sorgfältige Ausführung entscheidend für den langfristigen Erfolg. Eine professionelle Energieberatung kann dabei helfen, die für Ihr Gebäude optimale Lösung zu finden. Mit unserem Energie-Check erhalten Sie eine erste Einschätzung des energetischen Zustands Ihres Hauses. Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhalten Sie zudem 5 % mehr Förderung auf Dämmmaßnahmen.

Lassen Sie sich beraten, welche Dämm-Lösung für Ihr Gebäude optimal ist – kontaktieren Sie uns für ein kostenloses Erstgespräch!

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind die größten Nachteile der Innendämmung?

Die gravierendsten Nachteile der Innendämmung sind das Feuchte- und Schimmelrisiko durch die veränderte Taupunktlage, unvermeidbare Wärmebrücken an Innenwand- und Deckenanschlüssen sowie der Verlust von Wohnfläche (3–12 cm pro Außenwand). Hinzu kommt eine um 15–20 % geringere Energieeinsparung im Vergleich zur Außendämmung. Fehler bei der Ausführung – insbesondere eine fehlende oder undichte Dampfbremse – können zu verdeckten Schäden führen, die erst nach Jahren sichtbar werden.

Welche Nachteile haben Holzfaserplatten bei der Innendämmung?

Holzfaserplatten sind ökologisch und diffusionsoffen, haben aber spezifische Schwachstellen: Bei dauerhafter Durchfeuchtung nehmen sie Wasser auf, quellen und verlieren an Dämmwirkung. Trotz ihrer Diffusionsoffenheit ist in den meisten Einbausituationen eine raumseitige Dampfbremse notwendig, um Tauwasserbildung zu verhindern. Außerdem benötigen Holzfaserplatten eine größere Aufbaudicke als z. B. Vakuumdämmstoffe, was den Raumverlust erhöht. Ihr Preis liegt deutlich über dem konventioneller Dämmstoffe.

Innen oder außen dämmen im Altbau – was ist besser?

Im Altbau ist die Außendämmung fast immer die bauphysikalisch bessere Wahl: Sie schützt das historische Mauerwerk, vermeidet Wärmebrücken und verhindert Feuchteschäden durch Salzbelastung. Wo Außendämmung nicht möglich ist (Denkmalschutz, Grenzabstände, Eigentumswohnung), ist die Innendämmung mit kapillaraktiven Systemen (Calciumsilikat, Mineraldämmplatten) oft die beste Alternative. Eine Voruntersuchung durch einen Sachverständigen ist gerade im Altbau unbedingt empfehlenswert.

Ist es möglich, Innen- und Außendämmung zu kombinieren?

Ja, eine Kombination aus Innen- und Außendämmung ist bauphysikalisch möglich und in Sonderfällen sinnvoll – etwa bei teilweise denkmalgeschützten Fassaden oder wenn ein sehr hoher Energiestandard (z. B. EH 40) angestrebt wird. Die Kombination erfordert jedoch eine aufwendige bauphysikalische Planung (dynamische Feuchtesimulation), da sich die Taupunktlagen komplex verschieben. Für Standardsanierungen ist sie keine Empfehlung – hier sollte zunächst die Außendämmung geprüft werden.

Wie teuer ist eine Innendämmung im Vergleich zur Außendämmung?

Eine Innendämmung kostet ohne Gerüst in der Ausführung pro m² weniger als eine Außendämmung. Für eine typische Einzelraumsanierung liegen die Kosten je nach Dämmstoff bei etwa 40–100 €/m² (Material + Einbau). Eine vollständige Außendämmung per WDVS kostet inklusive Gerüst und Putzarbeiten im Schnitt 80–160 €/m². Bei der Gesamtbetrachtung muss jedoch berücksichtigt werden: Die Innendämmung spart weniger Energie, was die langfristige Wirtschaftlichkeit mindert. Außerdem können Nebenarbeiten (Installationen versetzen, Fensterbänke) die Kosten deutlich erhöhen.

Welcher Dämmstoff eignet sich am besten für die Innendämmung?

Die Wahl des Dämmstoffs hängt von der Konstruktion, dem Mauerwerk und den Randbedingungen ab. Für Altbauten mit historischem Mauerwerk empfehlen Bauphysiker häufig kapillaraktive Systeme wie Calciumsilikatplatten oder mineralische Dämmsysteme, da sie kurzfristige Feuchte puffern können. Für neuere Massivbauten sind auch Holzfaserplatten (mit Dampfbremse) oder Vakuumdämmplatten geeignet. EPS und XPS sollten bei der Innendämmung nur mit sorgfältig ausgeführter, luftdichter Dampfsperre eingesetzt werden.

Wieviel Wohnfläche verliere ich durch Innendämmung?

Das hängt von der gewählten Dämmstärke und dem Dämmstoff ab. Typische Aufbaudicken bei der Innendämmung liegen zwischen 4 und 12 cm (inkl. Unterkonstruktion und Beplankung). Bei einer Aufbaudicke von 8 cm verliert ein Raum mit zwei Außenwänden (z. B. Eckzimmer) etwa 0,5–1,0 m² Grundfläche. Bei mehreren Zimmern summiert sich das schnell auf mehrere Quadratmeter im gesamten Gebäude.

Brauche ich eine Dampfbremse bei der Innendämmung?

Bei den meisten Innendämmsystemen ist eine raumseitige Dampfbremse notwendig oder zumindest empfehlenswert. Sie verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in die Dämmkonstruktion diffundiert und dort kondensiert. Ausnahmen bilden kapillaraktive Systeme wie Calciumsilikat, die ohne Dampfbremse auskommen – vorausgesetzt, das System ist korrekt dimensioniert und die Feuchteberechnung bestätigt die Funktionsfähigkeit. Lassen Sie sich die Entscheidung von einem Bauphysiker abnehmen – fehlerhafte Dampfbremsausführungen sind eine der häufigsten Schadensursachen bei Innendämmungen.

Quellen

Bauwerkstatt Redaktion

Fachredaktion

Das Redaktionsteam der Bauwerkstatt bündelt die Expertise unserer Fachleute aus den Bereichen Dach, Fassade, Solar und Innenausbau.

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