Warum Photovoltaik an der Fassade?
Während Dach-PV mittlerweile Standard ist, erschließen Fassaden-PV-Systeme ein enormes ungenutztes Potenzial. In Deutschland gibt es über 6.000 km² geeignete Fassadenflächen – das entspricht dem 30-fachen der jährlich installierten Dach-PV-Fläche.
Besonders in dicht bebauten Städten, bei Mehrfamilienhäusern mit begrenzter Dachfläche oder bei Ost-West-Ausrichtung bieten Fassaden-PV entscheidende Vorteile.
Technologien im Überblick
1. Kaltfassaden-PV (vorgehängt, hinterlüftet)
Aufbau:
- PV-Module als Vorhangfassade
- 5-10 cm Hinterlüftung
- Unterkonstruktion aus Aluminium/Stahl
- Bestehende Fassade bleibt erhalten
Kaltfassaden-PV bietet den Vorteil, dass eine Nachrüstung ohne umfassende Fassadensanierung möglich ist. Die Hinterlüftung hält die Module kühl, was zu höheren Erträgen führt. Mehr zur Solarintegration am Dach erfahren Sie in unserem Ratgeber. Einzelne Module lassen sich bei Bedarf einfach austauschen, und die bestehende Dämmung wird gleichzeitig vor Regen geschützt.
Kosten: 350-500 €/m²
2. Warmfassaden-PV (integriert)
Aufbau:
- PV-Module ersetzen Fassadenverkleidung
- Direkter Verbund mit Dämmung
- Wärmedämmende Rückseite
Bei Warmfassaden-PV sind die Kosten geringer als bei Kaltfassaden, und der schlankere Aufbau spart Platz. Die Module übernehmen gleichzeitig die Funktion des Witterungsschutzes für das Gebäude.
Kosten: 300-450 €/m²
3. Fassadenintegrierte PV-Elemente
Gestaltungselemente:
- Brüstungsfelder unter Fenstern
- Balkonverkleidungen
- Fassadenbänder
- Attika-Bekleidungen
Fassadenintegrierte PV-Elemente ermöglichen hochwertige architektonische Lösungen mit individueller Gestaltungsfreiheit. Sie lassen sich problemlos mit konventionellen Fassadenelementen kombinieren und schaffen so harmonische Gesamtkonzepte.
Kosten: 400-600 €/m²
Ertrag und Wirtschaftlichkeit
Ertragserwartung (Deutschland)
| Ausrichtung | Neigung | Ertrag kWh/kWp |
|---|---|---|
| Süd | 90° | 650-750 |
| Ost/West | 90° | 550-650 |
| Nord | 90° | 400-500 |
Vergleich Dach-PV (Süd, 30°): 950-1.100 kWh/kWp
Fassaden-PV erreicht also 60-80% des Dachertrags – bei deutlich größerer verfügbarer Fläche!
Vorteile des Ertragsprofils
Fassaden-PV produziert:
- Früh morgens und abends (Ost/West)
- Auch im Winter (steiler Winkel, kein Schnee)
- Gleichmäßiger über den Tag
Optimale Kombination: Dach-PV (Mittagsspitze) + Fassaden-PV (Morgen/Abend) = Maximaler Eigenverbrauch!
Wirtschaftlichkeitsberechnung
Beispiel: Südfassade Mehrfamilienhaus
Investition:
- 50 m² Fassaden-PV (8 kWp)
- Kosten: 22.000 € (440 €/m²)
- BEG-Förderung 20%: -4.400 €
- Eigenanteil: 17.600 €
Ertrag:
- 5.600 kWh/Jahr
- Eigenverbrauch 60%: 3.360 kWh × 0,35 €/kWh = 1.176 €
- Einspeisung 40%: 2.240 kWh × 0,08 €/kWh = 179 €
- Gesamt: 1.355 €/Jahr
Amortisation: 13 Jahre
Bei steigenden Strompreisen und höherem Eigenverbrauch verkürzt sich die Amortisation.
Gestaltungsmöglichkeiten
Farbige Module
Moderne Fertigungstechniken ermöglichen farbige PV-Module:
Verfügbare Farben:
- Schwarz (Standard, höchster Wirkungsgrad)
- Anthrazit
- Terracotta/Ziegelrot
- Grün, Blau, Bronze
Wirkungsgradverlust: 3-8% je nach Farbe
Anwendung: Denkmalschutz, Gestaltungssatzungen, hochwertige Architektur
Mehrkosten: 15-25%
Transparente/semitransparente Module
Anwendung:
- Balkonbrüstungen
- Wintergärten
- Vordächer
- Oberlichter
Transparente Module bieten eine Lichtdurchlässigkeit von 10-40% und kombinieren Blendschutz mit Verschattung in einem Element. Die moderne Ästhetik macht sie zu einer attraktiven Lösung für zeitgenössische Architektur.
Kosten: 450-700 €/m²
Bedruckte Module
Technologie:
- Fotodruckverfahren auf Glasoberfläche
- Individuelle Muster und Bilder möglich
- Wirkungsgradverlust 10-30%
Anwendung: Werbeflächen, Corporate Design, Kunstprojekte
Planung und Genehmigung
Statik
Zusatzlast:
- PV-Module: 15-25 kg/m²
- Unterkonstruktion: 10-20 kg/m²
- Windlast: je nach Höhe und Lage
Statikprüfung besonders bei Altbauten erforderlich!
Baugenehmigung
Genehmigungspflichtig:
- Veränderung des Erscheinungsbilds
- In Gestaltungssatzungs-Gebieten
- Bei Denkmalschutz (Einzelfallprüfung)
Tipp: Frühzeitig Bauvoranfrage stellen!
Brandschutz
Anforderungen:
- Brandschutzklasse B2 oder besser
- Brandriegel alle 2 Stockwerke (bei Hochhäusern)
- Zugangswege für Feuerwehr freihalten
Förderung
BEG-Einzelmaßnahmen
Fördersatz:
Wichtig: Antrag vor Auftragsvergabe!
KfW 270
Förderkredit:
- Bis 100% der Investitionskosten
- Zinssatz ab 3,75% p.a.
- Keine Tilgungszuschüsse
Regionale Programme
Berlin: Bonus für innovative Solarnutzung München: Förderprogramm Energieeinsparung NRW: progres.nrw - Photovoltaik
Praxisbeispiele
Bürogebäude München
Projekt:
- 200 m² Süd-/West-Fassade
- 30 kWp Gesamtleistung
- Kombination mit 50 kWp Dach-PV
Ergebnis:
- Eigenverbrauchsquote 75% (ohne Speicher)
- Stromkosten -60%
- Architekturpreis 2024
Mehrfamilienhaus Berlin
Projekt:
- Ost-/West-Fassade Balkone
- Semi-transparente Module als Brüstung
- 15 kWp, Direktverbrauch im Haus
Ergebnis:
- Mieterstrom-Modell
- 18% Reduktion der Stromkosten für Mieter
- Wertsteigerung der Immobilie
Fazit
Fassaden-PV wird ein wichtiger Baustein der Energiewende. Mit sinkenden Kosten, verbesserter Ästhetik und steigenden Strompreisen wird die Technologie zunehmend wirtschaftlich.
Ideal für:
- Mehrfamilienhäuser mit begrenzter Dachfläche
- Gewerbeobjekte mit hohem Tagesstromverbrauch
- Neubauten (Integration von Anfang an)
- Sanierungen mit ohnehin fälliger Fassadenerneuerung
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- Ausführung durch PV-Fachbetriebe
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